Sonntag, 6. Juni 2021

666 - Die Zahl des Tieres

Wir hörten das Album "666" von Aphrodite's Child des öfteren ziemlich stark bekifft. Es war psychedelisch, geheimnisvoll und manchmal sogar etwas gruselig. 

Einmal saß ich so mit meinen Freunden auf dem Sofa, die Arme rechts und links auf der Lehne und hörte die Worte aus der Apokalypse des Johannes über die Trompetengerichte und die Engel, die sie ansagten. dabei bildete sich immer stärker der visuelle Eindruck in mir, daß ich wie Jesus am Kreuz hing, ja daß ich mich veränderte und immer mehr glaubte, selber Jesus zu sein. Ich hatte von Drogenbenutzern gehört, die auf dem LSD-Trip auf dieser Psychose hängen geblieben wären und tatsächlich anschließend dabei blieben, wirklich Jesus zu sein. Einer wurde in der Drogenszene tatsächlich Jesus genannt!

Irgendwann später nistete sich in meinem Kopf der Gedanke ein, daß ich eigentlich mal eine Bibel bräuchte, um den ganzen Text der Offenbarung des Johannes im Zusammenhang zu lesen und ich versprach mir davon, vielleicht selbst mal solch eine "Offenbarung" von Gott zu bekommen, schließlich war ich durch Drogenerlebnisse und Einführung in die "transzendentale Meditation" immer auf der Suche nach mystischen Erfahrungen.

So betrat denn eines Tages ein langhaariger Hippie den Buchladen am Lister Platz um möglichst unauffällig solch ein Buch zu erstehen. 

Die Verkäuferin kam auf mich zu und fragte, ob sie mir helfen könne. Ich sagte so selbstverständlich und beiläufig wie möglich, daß ich eine Bibel kaufen wolle. (Ich wollte auf keinen Fall den Verdacht erwecken, daß ich so ein frommer Spinner sei, wie diejenigen, die ich in Erinnerung hatte)

Die Verkäuferin ließ sich zwar nichts anmerken, aber ich hatte den Eindruck, daß ihr dieser Wunsch eher seltsam vorkam. Bei meiner Frage kam es mir außerdem so vor, als seien ein paar Dutzend unsichtbarer Augen auf mich gerichtet, die voller Entsetzen zusammenzuckten! 

Schließlich erstand ich eine "Zürcher Bibel"; ich wusste bis Dato gar nicht, daß es außer der Lutherbibel auch noch andere Übersetzungen der heiligen Schrift gab und versicherte mich bei der Verkäuferin, daß die Zürcher auch eine "richtige Bibel" sei.

Zuhause dann fing ich an die Offenbarung des Johannes von Anfang an durchzulesen in der Erwartung daß mir vielleicht auch eine Art von Erleuchtung zuteil würde oder mir der Weg zu mystischen Offenbarungen klarer würde. Ganz stolz berichtete ich in den folgenden Tagen einem Kollegen bei der Arbeit, von dem ich wusste daß er Christ war, vom Kauf meiner Bibel. Als ich ihm erzählte, daß ich bei der "Offenbarung" angefangen hatte zu lesen, verzog er nur schmerzhaft das Gesicht und fragte mich, warum ich denn gleich mit so etwas Schwerem beginnen würde? Ich gab zurück: "Ich interessiere mich halt für Offenbarungen"! Er meinte, ich solle doch für den Anfang "etwas leichteres" lesen, z.B. ein Evangelium. Die Offenbarung sei so schwere Kost!

In der Tat verstand ich nicht ein Wort in diesem Buch voller Symbolik und Geheimnisse. Es war buchstäblich ein Buch mit sieben Siegeln für mich und ich verstand erst viel später, daß das "Lamm Gottes", Jesus Christus, der Einzige ist, der fähig ist dieses Buch und auch die ganze Heilige Schrift zu öffnen und seine Siegel zu brechen.

Es brauchte noch einigen Zerbruch meines Stolzes und einiges Schütteln und rütteln vom Herrn, bis ich anfing die Bibel zu verstehen. Ich "fing an", aber habe niemals aufgehört sie zu verstehen, ich bin nie damit fertig geworden und werde es auch nicht werden.

Es folgte eine lange Zeitspanne, in der ich immer wieder Christen begegnete, die mich ansprachen und mich zu Jesus bekehren wollten. Aber ich hatte nach meinen enttäuschenden Erfahrungen mit der Bibel nicht das geringste Interesse am Christentum mehr und hatte nicht den Eindruck, daß Christen überhaupt Erlebnisse mit Gott haben würden, die über eine "Verstandesreligion" und das Befolgen von Geboten und Verboten hinaus gingen. Das ganze machte einen furchtbar staubtrockenen und verklemmten Eindruck auf mich. Ich nahm weiter Drogen und meditierte, um auf diese Weise irgendwie Gott näher zu kommen und Erfahrungen mit ihm zu machen. Ich las sämtliche esoterische und mystische Literatur derer ich habhaft werden konnte. Vom tibetanischen Totenbuch über Meister Eckhart und Hermann Hesse bis zur Bhagavad Gita und Schriften zum Buddhismus. Das Sterben des "Selbst" im Zen sprach mich sehr an. Aber ich hatte keinerlei Erfahrungen mit Gott, wie ich sie mir vorstellte und erwünschte.

Und dann kam der Abend meines ersten Gebets zu Jesus. Ich sprach die Namen meiner Gurus und der Religionsstifter langsam und nachdenklich hintereinander aus, dachte einfach nur laut. Das tat ich mehrere Male. Immer wenn ich zu Jesus kam, bemerkte ich, dass irgendetwas Besonderes an diesem Namen war. Und ich konnte ihn nur gegen einen inneren Widerstand aussprechen. Jedes Mal, wenn ich ihn dennoch aussprach, spürte ich eine unerklärliche, unerwartete Freude in mir aufsteigen!

"Herr Jesus, wenn es dich wirklich gibt, dann zeige dich mir auf irgendeine Weise", sprach ich in die "leere Luft". Und Jesus antwortete sofort und überwältigend! Wellen von unerklärlicher Freude, Glück und Licht erfüllten meine Seele und ich fing vor Freude an zu tanzen. Meine Hände schienen von diesem hellen Licht durchstrahlt zu werden und selbst die Möbel drinnen und die Natur draußen waren von diesem Licht durchstrahlt, einem absolut reinen und heiligen Licht voller Freude. Es war, als wäre ich nach einer langen Durststrecke in der Fremde endlich in meinem wahren Zuhause angekommen. 

Doch damit waren die inneren Kämpfe in mir leider noch nicht zu ende. Es brauchte noch einige Zeit, bis ich mich dazu durchrang endlich die Gemeinschaft mit anderen Christen zu suchen und mich zu Jesus und seinen Leuten zu bekennen. Ich war verwirrt, weil meine alten Vorstellungen über Gott immer noch im Gehirn herum spukten und mir die Christen und ihr Gerede so merkwürdig vorkamen. 

Als es mir einmal richtig elend von diesen inneren Kämpfen war schlug ich die Bibel auf, um irgend einen Tip oder Hinweis zu erhalten, was ich tun solle. Das erste mal seit langer Zeit und Jahre nach meinem Versuch mit der "Offenbarung des Johannes". Ich las Psalm 34 und hatte den Eindruck, daß jedes Wort direkt auf mich gemünzt sei und Gott mich damit direkt ansprach! Bei Vers 19 füllten sich meine Augen mit Tränen und die Anspannung löste sich:

 "Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, deren Geist zerschlagen ist. Der Gerechte muß viel leiden; aber der HERR rettet ihn aus dem allem."

Die Bibel war plötzlich lebendig geworden und sprach direkt in meinem Herzen zu mir und ich fühlte mich verstanden und von Gott getröstet. Ich las von nun an ständig in ihr und plötzlich war sie kein Buch mit sieben Siegeln mehr für mich!

Offb 5,1-5  Und ich sah in der Rechten dessen, der auf dem Throne saß, ein Buch, innen und außen beschrieben, mit sieben Siegeln versiegelt. Und ich sah einen starken Engel, der verkündete mit lauter Stimme: Wer ist würdig, das Buch zu öffnen und seine Siegel zu brechen? Und niemand, weder im Himmel noch auf Erden noch unter der Erde, vermochte das Buch zu öffnen noch hineinzublicken. Und ich weinte sehr, daß niemand würdig erfunden wurde, das Buch zu öffnen noch hineinzublicken. Und einer von den Ältesten spricht zu mir: Weine nicht! Siehe, es hat überwunden der Löwe aus dem Stamm Juda, die Wurzel Davids, um das Buch zu öffnen und seine sieben Siegel zu brechen!

Jesus, das Lamm Gottes, der Löwe aus dem Stamme Juda ist der Einzige, der das Wort Gottes für uns öffnen kann, so daß wir hineinblicken und es verstehen können. Und das tut er durch seinen wunderbaren heiligen Geist! So kann man selbst einige Dinge aus der Offenbarung des Johannes verstehen.. 

Offb 5,6 Und ich sah, und siehe, in der Mitte des Thrones und der vier lebendigen Wesen und inmitten der Ältesten stand ein Lamm, wie geschlachtet; es hatte sieben Hörner und sieben Augen, das sind die sieben Geister Gottes, ausgesandt über die ganze Erde. Und es kam und nahm das Buch aus der Rechten dessen, der auf dem Throne saß.

 


1 Kommentar:

Elias Schwerdtfeger hat gesagt…

Ganz stolz berichtete ich in den folgenden Tagen einem Kollegen bei der Arbeit, von dem ich wusste daß er Christ war vom Kauf meiner Bibel. Als ich ihm erzählte, daß ich bei der "Offenbarung" angefangen hatte zu lesen, verzog er nur schmerzhaft das Gesicht

Oh, ich kann mir diesen Gesichtsausdruck so gut vorstellen, dass eben sponatane Heiterkeit bei mir aufkam. Am besten gleich mit Hesekiel und Daniel weitermachen. ;)

Ich will es mal so sagen: Als schwer depressiver Mensch habe ich die Offenbarung gelesen, und ich fand an diesem sprachlichen Gemälde dunkler, bizarrer Bilder kaum Rätselhaftes, aber viel Tröstliches. Für die frühen Christen im Imperium Romanum, im Zustand der Rechtlosigkeit, des Spottes, der Verfolgung und des täglich drohenden Todes lebend, muss dieser Text sehr wichtig gewesen sein, denn er sagt immer wieder: Auch wenn die ganze Hölle ihren Schlund auftut und den Kosmos zu verschlingen droht, geschieht nichts ohne einen Willen und ohne einen genauen Plan Gottes. Die dafür verwendeten Bilder richten sich an keinen zur Verzweiflung neigenden Verstand, sondern sind von archetypischer Tiefe. Wenn man wollte (ich habe die Zeit dazu nie übrig, und es gibt Bücher genug), könnte man ein dickes Buch darüber schreiben. Kein Wunder, dass diese Apokalypse es in den biblischen Kanon geschafft hat, denn sie richtet sich über ihre Zeit hinaus an alle Verzweifelten. Sie ist tiefste Lyrik – trotz des auch in einer Übersetzung auffallend kleinen Wortschatzes des Autors.

Christen, die die Offenbarung als "schwierig" betrachten, bezeugen vor allem, dass es ihnen deutlich besser geht als den Christen in Rom, unter Stalin oder in der heutigen "VR" China. Ich fände es sehr wünschenswert, wenn das so bleibt.