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Donnerstag, 20. März 2025

SCHERE im KOPF ✂️

Nach meiner Bibelschulzeit im Glaubenszentrum Wolfenbüttel hatte ich den Kopf voll mit Bibelstellen und Lobpreis/Worship-Musik.

Ich arbeitete wieder als Krankenpflegehelfer im Wohnheim für Schwerstbehinderte. (So hieß das damals)

Das Radio lief dort ständig irgendwo.

Ich hätte mich selbst als "Drogen- und Musikfreak" über Pop und (noch schlimmer!) Diskomusik nur absolut abfällig geäußert und niemals zugegeben dass ich irgend einen deutschen Schlager gut fand! 

Ich stand auf Classic und Progressive Rock und Fusion. 

Diesen "Faible" hatte ich aber für Jesus ganz tief in die Tonne getreten und hörte nur noch christliche Musik.

Und nun das: Diana Ross mit ihrem großen Hit "Upside down" im Radio fuhr mir beim ersten Hören durch Mark und Bein! 😉

Der Fuß begann zu wippen und die Unterlippe fing an zu zittern wie bei John Belushi von den Blues Brothers im Gospel-Gottesdienst mit James Brown als Pastor! 😂

Da meldete sich bei mir sofort die christliche Schere im Kopf: "Pfui, Ralf, so eine fleischliche Musik darfst du nicht gut finden!" 

Und ich schaffte es halbwegs, den Song ein bisschen weg zu drücken und zu ignorieren. 

Der lief allerdings bei der Arbeit immer wieder im Radio rauf und runter.

Und schließlich meldete sich ein anderer Teil meines christlichen Gewissens: "Immer bei der Wahrheit bleiben Ralf! Keine fromme Heuchelei! 

Wenn du den Hit gut findest, dann leugne es nicht ständig und tu nicht so als wärst du schon durch und durch heilig! "

Irgendwie ein innerlicher Zwiespalt.

Aber ich gab mir zumindest selbst innerlich zu, daß ich den Song rattenscharf fand und Bock gehabt hätte dazu zu tanzen. Das hätte ich aber damals wohl niemals jemand erzählt 😉

Donnerstag, 26. Januar 2023

Das Kloster

Ich war Zivi im Wohn-und Pflegeheim für Schwerst- Körperbehinderte im Annastift anno 1977.
Es gab ein Zimmer auf der Frauenstation mit vier Bewohnerinnen, die für mich beteten.
Ich war wirklich verloren und es ging mir oft sehr schlecht. Wenn ich die Bewohnerinnen dieses Zimmers pflegte, ging es mir immer nach kurzer Zeit besser - obwohl ich ihren Glauben nicht teilte.
Das Gebet der Mädels hat gewirkt...

 Nachdem ich durch viele Irrungen und Wirrungen zum Glauben an Jesus als meinen Erlöser und Herrn gefunden hatte gab es viel Freude in diesem Zimmer. Ich hatte sie manchmal zu christlichen Konferenzen nach Braunschweig gefahren, war aber trotz herzlicher Einladung nie selbst mit in die Veranstaltungen gekommen. 
"Geschäftsleute des vollen Evangeliums" die in einem feinen Hotel tagten?
"Das ist nichts für mich", pflegte ich zu sagen - "Da passe ich mit meinen langen Haaren und der abgewetzten Jeans nicht rein"!

Als ich nun Christ geworden war hatte ich mehr Mut bekommen mich in ungewohnten und früher vehement abgelehnten gesellschaftlichen Kreisen zu bewegen und kam selbst in die diversen Gottesdienste und Veranstaltungen mit hinein - ein Glücksfall für alle Seiten!

Sonntag, 24. Februar 2019

Der Knallbottich

Nach langer Zeit höre ich mal wieder King Crimsons "Larks' Tongues in Aspic" und erinnere mich an das winzige verqualmte Zimmer in dem der Knallbottich stand.
Er war ein riesiger grüner Glasballon, den mein Vater einmal zur Weinherstellung verwendet hatte.

Ich hatte ihn ein wenig zweckentfremdet und eine Art Wasserpfeife daraus gebastelt. Ein Glaskolben wurde mit einem Sieb Versehen und ein langer Schlauch aus dem Gartencenter daran befestigt, so das der Rauch des Haschisch durch einige Liter Wasser gekühlt und gereinigt wurde.

Der Vorteil war, dass man kaum noch hustete, obwohl man sehr tief einatmen musste, um an den begehrten Rauch zu gelangen. Der zweite Vorteil war, dass das Rauschgift viel mehr "knallte" als der übliche Joint, weshalb wir ihn auch "Knallbottich" nannten.
Außerdem war er bei Kerzenlicht und Musik auch unsagbar gemütlich.
Und so hörten wir die psychedelische Musik von King Crimson umso konzentrierter und entspannter und ließen uns einfach treiben..

Dieser Knallbottich war grün und verzerrte die Gesichter und Flammen der Kerzen, wenn man hindurch schaute.
Und jeder träumte von einem anderen Land, einer anderen Zeit oder Dimension.
Ich vergaß meine furchtbar nüchterne, graue Handwerkslehre, die so gar nicht zu mir passte und auch keine Zukunft hatte.
 Ich würde einmal vielleicht ein Guru oder geistiger Lehrer sein, oder zumindest ein weiser Mann mit langem Haar und Bart; und ahnte nicht, dass ich einfach nur ein verstörter junger Mann mit vielen psychischen Problemen war.
Aber zumindest hatte ich viel Phantasie und konnte von einer besseren Welt träumen..
Wir Hippies würden ja die Welt verändern!