Sonntag, 18. Oktober 2009

Angst vor der Schweinegrippe

Wir kamen gerade von Sonjas Geburtstag und hatten unsere Enkel abgeknuddelt, als uns ein Anruf vom Krankenhaus ereilte, in dem meine bessere Hälfte ihren Dienst tut.
Sie hätte vor einigen Tagen Kontakt zu einem Patienten gehabt, bei dem die Infektion mit dem Schweinegrippevirus erwiesen wäre.
ALARM! PANIK!
Wenn wir nun unsere Enkel angesteckt hätten?
Wenn dieser heimtückische Erreger schon stillschweigend sein zerstörerisches Werk in unseren arglosen Körpern begonnen hätte?
Seit dem Anruf aus dem Krankenhaus spürte ich sofort ein bedrohliches Kratzen in Rachen und Nase.
Bestimmt bin ich schon infiziert und werde demnächst schwerkrank im Bett liegen und leiden, leiden leiden!
Ob ich DAS überhaupt überlebe? Wir sagten den Hauskreis an diesem Tag lieber ab, um niemand anzustecken.
Misstrauisch registrierte ich in den nächsten Tagen jedes kleine Zucken in den Gliedern und wartete auf den Schnupfen und das Krankheitsgefühl im Bauch. Die Nase und der Rachen kratzten unverändert weiter, aber nichts wurde schlimmer. Ich begann Eukalyptusbonbons zu lutschen und abends 2 Knoblauchzehen zum Abendbrot zu verspeisen. (Knoblauch ist gut für die Bronchien und alles Mögliche)
Ich steigerte vorsichtshalber die Vitaminzufuhr, denn Vitamin C ist wichtig für die Immunabwehr. Das Kratzen blieb unverändert.
Heute überredete meine Frau mich zu einer kleinen Fahrradtour, weil die Sonne sich blicken ließ. Ich hatte arge Bedenken, denn ich fühlte mich durch die anmarschierende Grippe schlapp und geschwächt. Unterwegs vergaß ich die Schwäche und das Kratzen im Hals. Und die frische Luft tat wirklich gut! Zuhause angekommen spürte ich kein Kratzen und Schlappheit mehr und war sehr gut gelaunt.
Vielleicht stecken Medien und Pharmaindustrie ja doch unter einer Decke. Die einen schüren die Panik vor der Grippe und die Anderen verdienen sich dumm und dusselig an dem Impfstoff?

Foto: Auntie P (Flickr.com)

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Ist der Abend kalt und naß...

Der Abend ist dunkel, kalt und naß. Don Ralfo fährt fröhlich pfeifend mit seinem Drahtesel durch den Abend. Es ist die Melodie der Vorabendserie "Rosenheim Cops", die eben im TV begonnen hat.
Es muß mir unverschämt gut gehen, denkt Don Ralfo, denn in der Abendstille klingt das Pfeifen doppelt laut und unverschämt. Die flauschige Windjacke hält ihn gut warm.
An der Sparkasse zieht er sich ein wenig Geld aus dem Automaten und fährt dann weiter zum Supermarkt. Er kauft sich Magerquark, Paprikaschoten und Zuccini fürs nächste Mittagessen.
Er hat aufgehört zu pfeifen, weil er angestrengt darüber nachdenkt, wie man aus der nass-kalt-fröhlich-pfeifenden Fahrradfahrt im Dunkeln ein "Haiku" machen kann.
Das ist ein dreizeiliges japanisches Gedicht mit 5-7-5 Silben. Es gelingt ihm aber nicht, denn ein Haiku ist gar nicht so einfach.

Sonntag, 11. Oktober 2009

Don Ralfo bewegt sich...

"Bewegung ist Leben", sagte die alte Frau im Hauseingang zu mir als sie bemerkte, daß ich statt des Fahrstuhls die Treppe nahm, um zu meiner Patientin im Haus zu gelangen.
Ich dachte später daß ich wohl eine Begegnung mit einem Engel gehabt haben muß und ihre Worte gingen mir nicht mehr aus dem Kopf.
Bewegung ist Leben und Leben ist auch Bewegung! Stillstand ist Tod. Im Tod bewegt sich überhaupt nichts mehr...

Trotzdem benutzte ich später immer wieder fast ausschließlich den Fahrstuhl, wenn er denn in einem Haus vorhanden war. Und mein Bauch wuchs entsprechend kugelförmig.
Es ist schwer, seine Angewohnheiten zu ändern, auch wenn sie krankmachend sind. Lieber verdrängte ich meine Gesundheitsprobleme und dachte: "Der Herr Jesus wirds schon irgendwie richten", trank aber weiterhin mein Bier und aß meine Kartoffelchips dazu.
Obwohl ich genau wußte, wie unvernünftig ich lebte, konnte ich doch nicht von diesem Lebensstil loslassen und verfluchte mich innerlich dafür.
Mein Körper gab mir eines Tages die Quittung und ich verbrachte das Jahr 2005 mehr in Krankenhäusern als zu Hause. Meine Hauptbeschäftigung in diesem Jahr: Arztbesuche.

Danach machte ich noch ein paar Versuche mit Herzsport, Heimtrainer und Fahrradfahren, kam aber nicht wirklich in Schwung und saß mehr auf meinem Hintern als mir lieb war.
Doch seit kurzem entdecke ich die Freude an der Bewegung wieder neu und bin mehrmals in der Woche mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs. Und das oft mehr als eine Stunde.
Hier kommen ein paar Bilder aus meinem Wald vor der Haustür, dem Seelhorst. Klickst Du die Bilder an - werden sie riesengroß!



Im Wald da sind die Räuber!

Hängt da 'ne Seele im Baum? Ist es der Horst?

Samstag, 3. Oktober 2009

Nachdenkeswertes aus der Hauskirche

Gestern hatten wir einen Überraschungsgast in der Hauskirche. Ich kannte ihn noch aus der "Torontozeit" in unserer ehemaligen Gemeinde und Bibelschule. (1994/95)
Er war seit dieser Zeit in den wildesten charismatischen Gemeinden unterwegs gewesen und hatte einige Jahre in Amerika in der Vineyard-Bewegung verbracht. Nach Jahren des "Soakens", Lachens, umherrollens auf dem Gemeindeteppich und der immer wieder neuen Erfüllung mit dem heiligen Geist meinte dieser Überraschungsgast:
Nur durch Gebet und unter der Kraft des heiligen Geistes am Boden liegen wurde nicht eins meiner tiefen Probleme gelöst. Es machte mich eher depressiv.
Die meisten meiner Probleme besserten sich durch die Gespräche mit meinen weltlichen Freunden, Psychotherapie und dadurch, daß ich selber angefangen habe an diesen Problemen zu arbeiten!
Interessantes Statement. Es macht nachdenklich. Allerdings war das Jahr 2009 nach seinen Angaben auch das bisher übelste Jahr seines bisherigen Glaubenslebens gewesen und selbst der Gedanke "Existiert Gott überhaupt?" war ihm des öfteren gekommen. Er hatte diese Frage im Gebet direkt an Gott gestellt.
Darf man so etwas fragen? Als Christ? In der Gemeinde?
Ich würde mich freuen, wenn dieser Gast nun öfter zur Hauskirche käme, denn er ist ein ausgesprochen netter Mensch :-)

Samstag, 26. September 2009

Wie wird heute gewählt?

Meine Prognose:
Die CDU wird leichte bis mittlere Verluste einfahren und die SPD wird dramatisch auf unter 20 Prozent abstürzen. Die FDP legt nochmals deutlich zu und überholt sogar die SPD oder liegt mit ihr gleichauf. Die Grünen werden sich leicht verbessern.
Aber die Linken werden dramatisch zulegen.
Weder Schwarz-Gelb noch eine große Koalition wird rechnerisch mehr möglich sein.
Ohne die Linkspartei läuft nichts mehr im Bundestag.

Um eine Regierungsmehrheit zu finden müssen eindeutige Wahlversprechen gebrochen werden, wie etwa das von den Grünen, die eine Jamaika-Koalition ausschließt, oder von SPD und Grünen, die ein Zusammengehen mit der LINKEN ausgeschlossen haben. Oder die FDP muß doch in die Jamaika-Koalition.

In jedem Falle werden es sehr interessante Koalitionsverhandlungen werden und selbst eine CDU - SPD - FDP Koalition wäre denkbar.
In jedem Falle wird das Mauern gegenüber der Linkspartei aufhören müssen, wenn sich SPD und Grüne verantwortlich für ihr Land zeigen wollen und nicht nur an ihre Partei denken.
Ebenso wird die FDP sich über Koalitionen mit SPD und Grünen Gedanken machen müssen, wenn diese Partei mit dem Wahlergebnis verantwortlich umgehen will.

Die spannende Frage wird sein, welche Partei als Erste über ihren Schatten springen kann, welche Partei von ihrem gegebenem Wort abrücken muß und welche Rolle gegebenenfalls kleine Parteien wie die Piraten oder Rentner noch spielen werden. Vielleicht sogar das Zünglein an der Waage einer hauchdünnen Mehrheit?
Heute abend um 18:00 Uhr werden wir mehr wissen! ;-)
Bis dann.

Günter J. Matthia: Vollmacht für alle? Segen zum Abholen?

In manchen frommen Kreisen wird verkündet, dass alle Gläubigen alle Vollmacht für alle Gegebenheiten des Lebens und Anspruch auf allen erdenklichen Segen haben. Diese Lehre wird mit zum Teil sehr konstruierten »biblischen« Belegen untermauert, aber dieses Fundament hat, wenn man einen Blick in die Geschichte der ersten Gemeinde, wie sie Lukas aufgeschrieben hat, wirft, keinen Bestand. Das oft gehörte »Du musst die Vollmacht nur ergreifen (wie immer das auch aussehen soll), den Segen nur abholen, weil alle Verheißungen für dich persönlich gelten« hat überhaupt nichts mit den Realitäten der ersten Gemeinde zu tun.
hier weiterlesen: Günter J. Matthia: Vollmacht für alle? Segen zum Abholen?
Die Diskussion zu dem Artikel ist auch sehr spannend, wie ich finde. Kommt und lest und diskutiert doch mit!

Donnerstag, 24. September 2009

Merkel bekommt Zulauf

Die CDU/CSU gibt erfreut bekannt, daß Angela Merkel in den letzten Tagen unerwarteten Zulauf aus der Partei der Unentschlossenen und Nichtwähler bekommen hat.
In einer spontanen Volksabstimmung entschieden sich ca. 50% der befragten Wahlberechtigten am Ort, die bisher zu den Wechselwählern gehört hatten zu einem eindeutigen Votum für die Kanzlerin. Ort: Dorf in Niederbayern

Was wählen Christen?

Wenn nur Christen am kommenden Sonntag wählen würden, wäre eine Schwarz-Gelbe Koalition nicht möglich. Dafür schneiden die Grünen besser ab als im Bundesdurchschnitt.
Jesus.de-Wahl-Umfrage: Christen wählen schwarz-grün-bibeltreu

Montag, 21. September 2009

Werteverfall und Gesundheitswesen

Pater Anselm Grün zum Thema Werte und Werteverfall im Gesundheitswesen:
Referat vom Benediktinerpater anlässlich der ersten großen Patientendemonstration gegen "Reformen" im Gesundheitswesen
München, 7. Juni 2008, Olympiastadion
WERTE UND WERTEVERLUST IM GESUNDHEITSWESEN
Wenn ich über Werte und Wertverlust spreche, möchte ich das nicht mit einem moralisierenden Zeigefinger. Vielmehr möchte ich für Werte werben. Wir sprechen heute vom Wertverfall. Doch Werte können nicht verfallen. Aber wir können die Beziehung zu ihnen verlieren. Es herrscht heute in der Gesellschaft eine große Sehnsucht, wieder aus
den Werten zu leben. Denn die Menschen sind überzeugt, dass das Leben ohne Werte wertlos wird. Werte machen unser Leben wertvoll. Das lateinische Wort für Wert heißt „virtus“. Das meint: Werte sind Kraftquellen, aus denen wir schöpfen können. Das englische Wort für Wert „value“ kommt von valere, das gesundsein bedeutet. Werte sind
Quellen der Gesundheit. Ohne Werte wird das Gesundheitswesen wertlos. Und wenn der Finanzwert absolut gesetzt wird, wird der Mensch entwertet. Ein entwerteter Mensch kann aber nicht gesund werden.
> Weiterlesen...

Erststimme

Hallo liebe Freunde,
Noch eine Info zu den kommenden Wahlen. Die Erststimme ist für den Direktkandidaten und die Zweitstimme für die Partei - das wissen wohl alle. Was aber für mich interessant und neu war ist, daß bei den Erststimmen eigentlich außer CDU und SPD nur in ganz seltenen Fällen die Kandidaten anderer Parteien eine Chance haben. 2005 gab es in Niedersachsen nicht einen Einzigen Kandidaten der kleinen Parteien, die irgendwo direkt in den Bundestag gewählt worden wären! Einzige Ausnahme: Berlin, wo die Linkspartei und Grünen es schafften.
http://www.bundestag.de/blickpunkt/102_Abgeordnete/0507e/0507e010.html
Quelle: Der Bundestag.
Somit macht es kaum einen Sinn mit der Erststimme etwas Anderes als CDU oder SPD zu wählen. Andernfalls fällt Deine Stimme einfach untern Tisch ;-(
Gruß
Ralle

Donnerstag, 17. September 2009

God's gonna cut you down

Johnny Cashs Version


You can run on for a long time
Run on for a long time
Run on for a long time
Sooner or later God'll cut you down
Sooner or later God'll cut you down

Go tell that long tongue liar
Go and tell that midnight rider
Tell the rambler,
The gambler,
The back biter
Tell 'em that God's gonna cut 'em down
Tell 'em that God's gonna cut 'em down

Well my goodness gracious let me tell you the news
My head's been wet with the midnight dew
I've been down on bended knee talkin' to the man from Galilee
He spoke to me in the voice so sweet
I thought I heard the shuffle of the angel's feet
He called my name and my heart stood still
When he said, "John go do My will!"

Go tell that long tongue liar
Go and tell that midnight rider
Tell the rambler,
The gambler,
The back biter
Tell 'em that God's gonna cut 'em down
Tell 'em that God's gonna cut 'em down

You can run on for a long time
Run on for a long time
Run on for a long time
Sooner or later God'll cut you down
Sooner or later God'll cut you down

Well you may throw your rock and hide your hand
Workin' in the dark against your fellow man
But as sure as God made black and white
What's done in the dark will be brought to the light

You can run on for a long time
Run on for a long time
Run on for a long time
Sooner or later God'll cut you down
Sooner or later God'll cut you down

Go tell that long tongue liar
Go and tell that midnight rider
Tell the rambler,
The gambler,
The back biter
Tell 'em that God's gonna cut you down
Tell 'em that God's gonna cut you down
Tell 'em that God's gonna cut you down

Mittwoch, 16. September 2009

Keine Angelhaken oder Gegenleistung

Noel Richards wurde von der Redaktion der Zeitschrift »Come« vor der Veranstaltung »Calling all Nations« im Berliner Olympiastadion gefragt, welche Impulse er sich für die deutsche christliche Musikszene erhoffe. Seine Antwort überraschte manchen Leser, denn eigentlich war sie ein Widerspruch zum Gedanken, der christlichen Musikszene Impulse geben zu wollen.

Manchmal setzen wir das Wort »christlich« vor bestimmte Wörter und schaffen so eine Art Subkultur. Viel lieber wäre es mir, wenn Christen zum Mainstream in der Kunst- und Musikkultur durchbrechen würden. Es gibt in Deutschland viele christliche Verlage und Produzenten … die machen ihre Sache wirklich gut. … Sie werden gebraucht, um die Bedürfnisse der Menschen innerhalb der Kirchen wahrzunehmen. Aber wir sollten darüber nicht vergessen, den Blick nach draußen zu richten … Christen ermutigen, das fromme Ghetto zu verlassen.

Noel Richards sprach von »Subkultur«. Ich meine, dass in vielen Kirchen und Gemeinden sogar eine christliche Parallelgesellschaft existiert, die wenig oder keine Berührungspunkte mit unserer Umgebung kennt. Wir haben christliche Romane, christliche Musik aller Geschmacksrichtungen und christliches Spielzeug, sogar christliche Kleidung und vieles mehr. Es gibt biblische Kochbücher genauso wie Kerzen mit Bibelsprüchen und christliche Kugelschreiber oder Notizbücher. Christliche Internetseiten, Foren und Chaträume sind Legion, auch christliche Frauen- und Männerzeitschriften oder Nachrichtenmagazine muss man nicht lange suchen. Manches ist missionarisch gemeint. Aber wer nimmt außerhalb unserer Parallelgesellschaft Notiz davon?

Anders gefragt: Würde den Menschen in unserer Nachbarschaft irgend etwas fehlen, würden sie es überhaupt bemerken, wenn unsere Gemeinde / Kirche plötzlich nicht mehr da wäre? Wäre da eine Lücke im gesellschaftlichen, kulturellen, politischen Leben? Oder würde alles ohne uns Christen genau so weiterlaufen wie bisher?

Die Parallelgesellschaft hat sich etabliert, um die Gläubigen vor der bösen Welt zu schützen, um ihnen saubere und sündlose Alternativen zu bieten. Die Gemeinschaft der Gläubigen wurde zu einer Burgfeste, die es zu verteidigen gilt. Und je länger der Kriegszustand gegen die Welt dauert, desto mehr entfernt sich das Salz aus der Welt. Um so mehr ist das Licht ausschließlich in der Burg sichtbar.

Die Kleinstadtgemeinde, in der ich als junger Christ zu Hause war, veranstaltete einmal im Jahr eine Evangelisationswoche. Ein Prediger wurde eingeladen, Handzettel gedruckt und verteilt, ein Rahmenprogramm gestaltet und dann sollten die Menschen in Scharen in den Gemeindesaal strömen und sich bekehren. Sie strömten nicht, sie tröpfelten höchstens. Die meisten Besucher bekehrten sich nicht, sondern wunderten sich und gingen wieder. Von ein paar wenigen Ausnahmen abgesehen.

Viele Christen verstehen heute noch immer ihren Auftrag genau so und nicht anders. Die Gemeinde ist für sie eine Burg, in die man einlädt, weil da das Licht und das Salz zu finden sind. Samt christlicher Musik, christlichen Finanzkursen, christlichen Fahrradausflügen, christlichen Büchern und christlichen Jugendgruppen. Evangelistische Abende oder Wochen werden durchgeführt, die Gemeindeglieder gedrängt, doch Nachbarn und Kollegen einzuladen, mitzubringen in die sichere Burg. Das Problem wird heute immer deutlicher: Die Nachbarn und Kollegen kommen nicht. Oder sie kommen nicht wieder, weil sie nur Befremdliches erlebt haben.

Jesus hatte keinen Gemeindesaal. Die Jünger bauten keine Kirche. Paulus druckte keine Handzettel. Petrus predigte nicht im Rahmen einer Evangelisationswoche.

Natürlich stimmt es: Jesus lehrte am Sabbat in der Synagoge, die erste Generation der Gemeinde war im Tempel anzutreffen. Natürlich stimmt es, dass die Gläubigen auch heute noch einen Ort, einen Rahmen brauchen, wo sie zusammen Gott loben, aus der Bibel lernen, ihre Fragen stellen und gemeinsame Lasten tragen sowie sich miteinander freuen können. Jesus nahm sich immer wieder Zeit, um mit seinen Jüngern auszutauschen, sie zu lehren, ohne dass diejenigen dabei waren, die noch nicht zum Kreis der Gläubigen zählten. Die Gemeinde der Apostelgeschichte versammelte sich zum gemeinsamen Gebet, Austausch, Lob Gottes und zur Lehre.

Selbstverständlich ist der Gottesdienst, ob nun im Gemeindesaal, der Kirche oder sonst irgendwo, zu hundert Prozent notwendig und richtig. Aber wenn sich das Gemeindeleben darin erschöpft, sich in der sicheren Burg zu versammeln, höchstens noch zu bestimmten evangelistischen Gelegenheiten dazu einzuladen, in die heiligen Hallen zu kommen und sich zu bekehren, dann kann von Salz und Licht nicht die Rede sein. Dann spielt es für die Nachbarschaft, ob nun Dorf oder Stadtviertel, keine Rolle, ob es die Gemeinde vor Ort gibt oder nicht. Dann ist der lokale Kegelverein wichtiger für die Nachbarn als die lokale Kirche.

Wo sind die Kirchen- und Gemeindevorstände, die es wagen, ihre Burgfeste einzureißen? Die nicht einen größeren sakralen Versammlungssaal planen, sondern einen Ort, an dem die Nachbarn sich zur Freizeitgestaltung treffen, die Kinder nach der Schule Hilfe bei den Hausaufgaben finden, die Armen Speise oder Kleidung bekommen, die kulturell interessierten Mitbürger Kammermusik, Blues- oder Jazz-Sessions oder literarische Lesungen veranstalten, und das alles ohne frommen Unterbau und christliche Stempel?

Ich träume von einer Gemeinde Jesu Christi, die keine Fußangeln auslegt, in denen sich Ungläubige verfangen sollen, damit man sie in die Burgfeste ziehen kann. Ich träume von einer Gemeinde Jesu Christi, die sich mit Menschen und Ressourcen verschenkt. Es ist nichts Frommes an einem Skatverein oder einer Hausaufgabenhilfe für moslemische Kinder zu finden. Beim Seniorensport wird sich kein Teilnehmer bekehren. Die Organisation eines Stadtteilfestes zusammen mit anderen Bürgern ist keine missionarische Aktion.

Meine Vision ist keine versteckte Evangelisation durch die Hintertüre, sondern eine Gemeinde, die fragt: »Was können wir für die Menschen tun? Wo können wir helfen? Wie können wir dienen? Wem können wir uns und unsere Möglichkeiten, Begabungen, Fähigkeiten verschenken?« Ohne Angelhaken und Gegenleistung. Einfach nur, weil wir die Welt so lieben, wie Gott sie geliebt hat. Er hat seinen Sohn gegeben. Für alle Menschen, für die Frommen wie die Ungläubigen.

Ihr habt nicht mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und euch dazu bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibe, damit, was ihr den Vater bitten werdet in meinem Namen, er euch gebe. (Johannes 15, 16)

Hingehen. Frucht bringen. Und daraus folgt: Der Vater gibt, was wir im Auftrag Jesu bitten. Nicht umgekehrt.

Montag, 14. September 2009

Klaus Kenneth

Zwei Millionen Kilometer unterwegs nach der Suche der Wahrheit...
Eine anrührende Lebensgeschichte.
Im "Hof mit Himmel" bei ERF gibt es ein interessantes Interview mit Klaus, der seine Geschichte erzählt. Manches davon ist schier unglaublich...