Samstag, 7. Januar 2012

Wer hat Angst vorm böhsen Wulff? Vielleicht die böhsen Onkelz?

Wer hat eigentlich Vorteile von der gegenwärtigen Hetzjagd auf den zugegebenermaßen wenig staatsmännischen Herrn Wulff?
Der einfache kleine Bürger vielleicht? Klar, die Meisten hatten sich eher den eloquenten und weitaus glaubwürdigeren Pastor Gauck gewünscht. Ich auch.

Aber ist das Amt des Bundespräsidenten wirklich so wichtig, daß man eine dermaßen übelriechende mediale Schlammschlacht dafür lostreten muss?
Und wer fügt dem Amt nun eigentlich Schaden zu? Herr Wulff oder die unzähligen Politiker, die sich besorgt bis abfällig über Wulffs angeblich so schwerwiegende Eskapaden äußern? Oder die Medien die genüsslich jedes vermeintlich "unsaubere" Detail aus Wulffs Vergangenheit hervorkramen und ihn bis auf die Knochen durchleuchten?
Man beachte: Wulff ist weder alkoholisiert über rote Ampeln gefahren, noch hat er das Finanzamt hintergangen und Steuern hinterzogen oder das Geld des kleinen Mannes in windigen Spekulationen verzockt! 
Er hat es gewagt bei Freunden Urlaub zu machen und sich von ihnen Geld zu leihen - welch ein Verbrechen!
Und nun sucht man mit Fleiss und Akribie weitere Anklagepunkte gegen ihn zu sammeln, dreht jedes Steinchen um, über das er mal gegangen ist; allen voran die Bildzeitung - die Gralshüterin der Ehrbarkeit und lauteren Wahrheit.

Warum soll und muss dieser eher biedere und bescheidene Bundespräsident fallen?

Erstens: Es bringt Quote. Vor allem der Bildzeitung und der Boulevard-Presse. Damit verdient man richtig Geld.
Zweitens: Die Politik interessiert sich m.E. nicht allzusehr für die Würde des Amtes eines Bundespräsidenten sondern mehr für die nächsten Wahlen. Man fragt scheinheilig mit Lammesblick und Wolfsgesinnung in Richtung Kanzlerin wie sie sich denn über die Causa Wulff äußern würde.
Ich werde den Eindruck nicht los, daß doch eigentlich Frau Merkel gemeint ist wenn man nun Hernn Wulff kräftig vors Schienbein tritt. Wulff ist doch nur ein kleiner Fisch: Man will eigentlich Merkel und der Regierung schaden und hat die nächste Bundestagswahl im Auge.
Die CDU soll durch die Affäre Wulff kräftig in der Wählergunst sinken und die eigene Position verbessert werden. Ein Schmierentheater!
 
Mir missfiel auch Merkels parteipolitisches Kalkül mit dem sie Wulff als Präsident durchgeboxt hat. Aber es ist nun mal das Privileg der Regierung einen Kandidaten nach ihrem Geschmack aufzustellen und mithilfe der Regierungsmehrheit ins Amt zu hieven. Basta!

Der Bumerang kommt nun allerdings mit einer ekelerregenden Scheinheiligkeit und Chuzpe.
Merkel hatte mit der Atomwende und ihrer Euro-Stabilitätspolitik einfach zu viele Punkte beim Wähler gesammelt und nun musste schleunigst ein gutes, nachhaltiges Thema her.
SPD, Grüne und Linke einmütig an der Seite der Bildzeitung. Was kann denn da noch schief gehen bei der nächsten Wahl?
Aber vielleicht fällt den böhsen Onkelz der Opposition der Fall des großen böhsen Wulff ja doch noch auf die eigenen Füße? Wer weiß?

Kommentare:

Bento hat gesagt…

Gute Frage - wer hat eigentlich Vorteile von der Vetternwirtschaft zwischen der Politik und den Wirtschaftsbossen - hmmm - *grübelgrübeldenk* ...
böhse ist jedenfalls der, der nicht mitspielt und solche Machenschaften auch noch einfach aufdeckt - pfui - DIE besudeln doch das wirklich schöne Amt...

ich errinnere mal daran, dass der vorige Präsident zurückgetreten ist, weil er versehentlich die politisch unkorrekte Wahrheit sagte! So ein Wulff im Schafspelz sollte aber natürlich noch ein paar weitere "Chancen" bekommen, seine Position nach Kräften auszunutzen und sich zum Schleier-Affen zu machen...
damit vertritt er dann wenigstens wirklich das Deutsche Volk!

Donralfo hat gesagt…

@Bento: Vetterwirtschaft zwischen Wulff und Wirtschaftsbossen ist bisher nicht das Thema der Medien und wurde auch nicht aufgedeckt oder bewiesen. Es geht um einen Wutanruf beim Chef der Bildzeitung und einen Privatkredit der wahrscheinlich nicht mal unrechtmäßig war.

Ich habe auch schon mal einen Privatkredit in Anspruch genommen und wurde von der Bildzeitung deshalb nicht behelligt. Ich fühle mich auch nicht schuldig deshalb.

Man müsste schon beweisen, daß Wulff dem Unternehmer Gaerkens mit "Gefälligkeiten" entgegen gekommen ist um ihm an den Karren zu fahren.
Bloße Vermutungen reichen nicht!
Denn bei Politikern kann man nun wirklich ALLES vermuten und tut das ja auch.

Aber ist dieses Unterstellen aller bösen Dinge bei den Mächtigen nicht irgendwie auch eine Art Ventil für den kleinen Mann um sich selbst in seiner Ohnmacht als etwas Besseres zu empfinden?

Bento hat gesagt…

Naja lieber Don Ralfo, ich will dir ja nicht deine guten rechtsstaatsbürgerlichen Manieren absprechen, wenn du hier "Beweise" forderst, bevor man "Vermutungen" anstellt - aber da ich weder Analytiker der Tagespolitik, noch ein Jurist bin, habe ich einfach mal frisch von der Leber weg geschrieben, was mir als "kleiner Mann" zu dieser ganzen Geschichte so einfällt, die - da sind wir uns völlig einig - nichts weiter als eine Schmierenkömödie ist!

Ok, du hast mal einen Privatkredit genommen, vermutlich bist du auch (genau wie ich) schonmal über eine nicht mehr ganz grüne Ampel gefahren und hattest eventuell auch ein kleines bisschen mehr Alkohol in der Umlaufbahn, als gesetzlich zulässig ist - doch der Punkt ist: Weder du noch ich bekleiden höchste öffentliche Ämter in Staat oder Kirche!
Wir haben auch keine ausgesprochen gut bezahlten Arbeitsverträge, die durch jene Menschen finanziert werden, die wir repräsentieren sollen, und von daher fiele es selbst dann nicht weiter in´s Gewicht, wenn wir uns bei einem eventuellen Fehltritt durch völlig unangemessene Reaktionen weiter zum Affen machen würden.

Weissu - ich habe mal mit sog. "verhaltensauffälligen" und verwahrlosten Jugendlichen gearbeitet, die zudem noch häufig unter völliger Selbstüberschätzung gelitten haben, und ich konnte an einem ganz bestimmten Verhaltensmuster immer zielsicher herausfinden, wer derjenige war, der grade etwas ausgefressen hatte: Der es am vehementesten abgestritten und von sich gewiesen hat, der hatte es garantiert übelst verbockt!

Auch wenn man von "Führungspersöhnlichkeiten" eigentlich ein intelligenteres Verhalten erwarten möchte, so zeigt die Erfahrung doch, dass auch diese Klientel (von seltenen Ausnahmen abgesehen, von denen ich hier eine erwähnt habe) auf genau demselben und leicht durchschaubaren Niveau agiert...

Sieh es mir also bitte nach, wenn ich hier keine "juristisch stichhaltigen Indizien" vorlege - sondern mehr aufgrund meiner Intuition und nahe am Brechreiz einen Kommentar ablasse, den ich mir natürlich auch genausogut in die Haare hätte schmieren können, denn besser fühle ich mich deswegen nicht.

Donralfo hat gesagt…

Eine Sache, die mir bei solchen Gelegenheiten auch immer aufstößt: Warum sollen (müssen) solche hochdotierten Würdenträger eigentlich zwangsweise Vorbilder bzw. Übermenschen sein wenn sie ein solches Amt bekleiden?
Ich finde eine solche Erwartung grundsätzlich völlig unrealistisch.
Wer es "gut" macht hat oft nur die Fähigkeit seine kleinen und großen Sünden sehr gut zu tarnen oder zu verschleiern.
Oder man sieht sie ihm/ihr nach, weil ihre anderen Qualitäten so überragend sind, daß die Sünden dagegen relativ klein erscheinen...

Bento hat gesagt…

..an deinem letzten Satz ist was dran - vermutlich ist das Gesamtbild einfach zu desaströs...

doch über deinen Vorschlag, uns von der "völlig unrealistischen" Vorstellung zu verabschieden, dass irgendjemand, irgendwo und irgendwie heute noch eine Vorbildfunktion haben könnte, wenn er in einer Führungs- oder Leitungsposition ist, muss ich nochmal nachdenken...

hmm -

also du meinst es wäre doch ohnehin klar, dass jeder nur seinen eigenen Vorteil sucht und das "Gutsein" allein darin liegt, wie gut man sich verstellen und vertuschen kann und dass man z.B. auch vom höchsten Repräsentanten eines solchen Volkes auch nichts anderes erwarten sollte?

ja stimmt, da ist was dran...