Dienstag, 12. Juli 2011

Das personale Böse

Ich bin ihm noch nie persönlich begegnet: Dem Teufel als Person und realistischem Gegenüber. Luther soll angeblich mal ein Tintenfass nach ihm geworfen haben und Jesus stand dem Versucher in der Wüste leibhaftig gegenüber und sprach mit ihm.

Für die Naturwissenschaft existiert er ebenso wenig wie Gott, Engel oder andere Geistwesen.
Bei den meisten Esoterikern kommt er nicht vor - seltsam eigentlich, wo sie doch an die Existenz von Geistwesen glauben.

Ich habe keine Mühe an seine Existenz zu glauben, ich brauche nur meine Tageszeitung aufzuschlagen oder die Nachrichten im Fernsehen anschauen. Die Welt ist so voll von abgrundtief bösen Dingen das es zum Himmel stinkt!
Menschen werden von Menschen gefoltert, vergewaltigt und auf grausamste Weise zu Tode gebracht.
Psychopathen missbrauchen und ermorden Kinder. Die Mächtigen dieser Welt raffen allen Reichtum an sich und beuten die Kleinen und Schwachen aus - ohne Rücksicht und ohne Bedauern.
Kinder werden mit Sprengstoffgürteln oder Maschinengewehren zum Morden geschickt. Und wer erwischt wird und vor Gericht landet leugnet seine Taten und verhöhnt die Opfer oder ist sich einfach keiner Schuld bewusst. Siehe die Kriegsverbrecher aus Serbien oder Kambodscha.
Das Böse ist scheinbar allgegenwärtig und manchmal unbegreifbar.

Am stärksten habe ich mich bei einigen alten Fotos aus der Nazizeit gegruselt, die neulich in meiner Tageszeitung veröffentlicht wurden. Sie zeigten eine fröhliche Schar uniformierter Männer und Frauen mit Akkordeon und Gitarre singend und unbeschwert durch die Natur wandern.
Sie lachten und sahen richtig nett aus durch ihre Fröhlichkeit.
Es waren KZ-Wärter- und Wärterinnen aus Ausschwitz die einen freien Tag vom Morden hatten...
Offenbar belastete sie ihre Aufgabe nicht im Geringsten - es muß ihnen Vergnügen gemacht haben andere zu quälen und zu töten.
Für mich ist so etwas so unbegreiflich, daß ich es mir nicht mehr mit psychologischen Argumenten erklären kann.  
So etwas kommt in der Natur ansonsten nicht vor: Tiere töten in der Regel um zu überleben und ihren Nachwuchs zu ernähren.
Aber diese perfide Bosheit, mit System und hoher Intelligenz und sogar noch Lustgewinn ganze Völker zu unterjochen und zu ermorden kommt nur beim Menschen vor. Und die Menschen lernen offensichtlich nicht. Immer wieder kommen neue Gaddafis, Assads und Osama Bin Ladens aus dem Schoße der Völker hervor. (Gehört George W. Bush vielleicht sogar auch zu dieser Brut?)
In den heutigen westlichen Demokratien tritt das Böse vielleicht nicht ganz so offensichtlich zu Tage, wir haben es irgendwie verfeinert und kultiviert. - Aber von Vernunft, Güte  und Gerechtigkeit sind wir weit entfernt. Das Böse ist bei uns nur nicht so offensichtlich und arbeitet mehr im Dunkeln.

Diese Affinität des Menschen zum Bösen, diese Krankheit das Gute zu wollen und dennoch stets das Böse und Egoistische zu tun ist eine Perversion die ich mir nicht anders als mit der Existenz des personalen Bösen, des Teufels, erklären kann.
Die perspektive der Bibel auf den Teufel, (Den Bösen) ist für mich die einzig logische Erklärung für das beständige Unheil und das Böse in der Welt.
Wir wurden von der Schlange verführt und aus dem Paradies vertrieben - und kein Weg führt dorthin zurück. Die Engel mit dem Flammenschwert stehen vor dem Eingang und lassen niemand mehr herein.
Wir haben uns freiwillig an das Böse verkauft und stehen seitdem unter seinem Einfluß. ER ist der eigentliche Herrscher in der Welt und zieht die Fäden heimlich hinter den Kulissen, denn wir gehören ihm ja. (2.Kor.4,4, Eph.2,2)
Der "Gott dieser Welt", nämlich Satan, ist durch unseren Verrat an Gott unser Vater geworden und seine Gene wirken in uns weiter durch die Jahrtausende - und wir sind seine Marionetten.
Wenn da nicht ein Erlöser wäre, der den Vertrag zwischen uns und dem Teufel am Kreuz seiner Liebe zerrissen hätte.
Doch hier stellt sich ein Problem: Warum nur tun auch entschiedene Christen noch so viel Böses? Wir, die wir doch durch den Geist Gottes von neuem geboren wurden, eine komplett neue Schöpfung sind und aus dem Vertrag mit dem Bösen freigekauft wurden, warum lassen wir uns noch zum Bösen verführen? Wir haben doch Jesus zu unserem Herrn gemacht und wollen Gott von ganzem Herzen dienen? Und die selbe Perversion und Affinität zum Bösen steckt immer noch in unser aller Glieder wie ein Virus, daß nicht greifbar scheint.
"Röm 7,18    Denn ich weiß, daß in mir, das ist in meinem Fleische, nichts Gutes wohnt; das Wollen ist zwar bei mir vorhanden, aber das Vollbringen des Guten gelingt mir nicht! Denn nicht das Gute, das ich will, tue ich, sondern das Böse, das ich nicht will, übe ich aus." (Schlachterbibel 1951)
Wir mögen zwar formal aus der Macht der Finsternis freigekauft und erlöst worden sein - es zeigt sich aber nicht automatisch in der irdischen Realität sondern ist eine geistliche Wahrheit, die durch Glaube, Liebe und Gehorsam ständig neu ergriffen werden muß. 
Was nützen mir aber geistliche Tatsachen und Wahrheiten die ich nicht ins alltägliche Leben umsetzen kann? Ich bin als Christ in einen geistlichen Kampf hineingeboren worden, dem ich mich nicht entziehen kann. In ein Spannungsfeld zwischen Himmel und Hölle, Gut und Böse, Geist und Fleisch.
Und ich muß immer wieder neu entscheiden wem ich in meinem Leben Raum gebe: Der Liebe und dem Geist Gottes oder dem Hang zum Bösen und Zerstörerischen, der sich sogar manchmal in fromme Gewänder kleidet.

Ein weiteres Rätsel ist für mich die Tatsache, daß es so viele Leute gibt die Gott (scheinbar) überhaupt nicht kennen und trotzdem liebevoll und guten Herzens sind. In der Tat habe ich manchmal den Eindruck, daß die Menschen der sogenannten "Welt" die nicht viel oder gar nichts mit Gott am Hut haben oft weit uneigennütziger und liebevoller handeln als wir "offiziellen" Christen.
Wie geht denn das ohne die Hilfe Gottes? Wie kann man dem Bösen widerstehen ohne den Glauben und den Geist Gottes? Wie kann man selbstlos handeln - ohne das Vorbild der selbstlosen Liebe unseres Herrn Jesus? Kommt Freunde - es ist eine Realität: Es gibt viele gute Menschen auf der Welt! Und wir Christen spiegeln durch unser Handeln nicht immer die Güte Gottes wieder!

Kann man auch ohne Jesus zu kennen dem Bösen widerstehen? Offensichtlich ja! Vielleicht aus dem Grunde, daß ALLE Menschen grundsätzlich dazu berufen sind Gottes Kinder zu werden?
Vielleicht aus dem Grunde, daß grundsätzlich ALLE Menschen nach dem Bilde Gottes geschaffen wurden?

Kommentare:

Gott ist gut hat gesagt…

Obgleich alle Menschen nach dem Bilde Gottes geschaffen wurden, kann man ohne Jesus zu kennen dem Bösen nicht widerstehen.

Bento hat gesagt…

Hallo Don the Ralfo!
Dieser Artikel ist klasse und du wirfst interessante Fragen auf zu dem Themenkreis der geistlichen Realität, mit dem ich mich ja auch eingehend befasse und Artikel verfasst habe.- Ich wollte schon länger was drauf antworten, doch stelle nun fest, nur ein paar Bemerkungen reichen eigentl. nicht aus für dieses komplexe Thema ...

dennoch muss ich deiner Aussage erstmal wiedersprechen:
"Kann man auch ohne Jesus zu kennen dem Bösen widerstehen? Offensichtlich ja!"

Ich sage: offensichtlich NEIN! Allein so ein Gedanke bezeugt doch schon, dass wir dem Widersacher auf dem Schleim gegangen sind und nicht "im Geist" leben und denken!...
Wir müssen hier doch deutlich zwischen agape und philomea unterscheiden. Die Agape kann nach aussen auch mal sehr "unfreundlich" erscheinen - z.B. wenn Tacheles geredet werden muss (siehe Jesus mit den Pharisäern) - wer wäre darauf gekommen, dass die Begriffe Schlangenbrut und Natterngezücht ein Ausdruck göttl. Liebe sein könnten??! - eben, weil sie an dieser Stelle die WAHRHEIT sind...
ich empfehle hierzu nochmal ein Studium der Begriffe "agape und philomea" ;-))

Das "Gutsein" des Menschen bezeichnet Gottes Wort als eine Illusion und sie stellt sich ja auch letzlich GEGEN das Erlösungswerk!

2Ko 4:4 in welchen der Gott dieser Welt den Sinn der Ungläubigen verblendet hat, damit ihnen nicht ausstrahle der Lichtglanz des Evangeliums der Herrlichkeit des Christus, welcher das Bild Gottes ist.

..ich würde also behaupten, du bringst hier Äpfel und Birnen durcheinander und lenkst den Blick auf uns selber. Es geht doch nicht um uns oder UNSER "Gutsein", (das ist geistl. gesehen kein Beleg für irgend etwas), sondern allein "Christus in uns" - die Tatsache, dass wir "ohne Ihn NICHTS" tun können...

Mar 10:18 Jesus aber sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut, als Gott allein!

Gruß und Segen

Donralfo hat gesagt…

@Bento: Philomea ist die Katze von Liane. :-)
"Phileo" ist die geschwisterliche bzw. freundschaftliche Liebe.
Wenn Christen behaupten sie hätten Agape, haben aber keinerlei Phileo, dann stelle ich ihre Agape in Frage!
Ich gebe Dir recht daß Agape auch manchmal hart sein kann - wie ein Chirurg, der einen bösen Krebs entfernt. Aber die grundsätzlich freundliche, wohlmeinende Motivation sollte erkennbar sein.
Ich bin mir nicht so sicher, daß Gott so genau zwischen Agape und Phileo unterscheidet wie wir Bibelforscher :-)
Er ist doch ebenso wie wir eine "Ganzheit" und das hebräische Denken des AT ist ebenso ganzheitlich. Körper, Seele und Geist hängen ganz eng zusammen und man kann sie nicht trennen (ohne zu sterben). Diese Trennung von Körper und Geist kommt eigentlich erst von den griechischen Philosophen und ist ins Christentum eingesickert. Dadurch kam die Leibfeindlichkeit in die Kirche. Im Judentum gab es diese Leibfeindlichkeit nicht.

Vor Gott reicht das menschliche Gutsein nicht aus, um vor ihm zu bestehen - klar.
Man kommt auch nicht dadurch in den Himmel- klar.
Aber dennoch befürwortet Gott gute Werke und hasst böse Werke, oder?

Bento hat gesagt…

GENAU - Philomea ist die Katze! :-D ..

ja - wer behauptet, er "habe" die Agape, der lügt! Wir können zwar im Licht der Sonne wandeln, aber wir "haben" nicht das Sonnenlicht...

jaja, das "ganzheitliche Denken" und die vielzitierte Einheit von Geist, Seele und Leib - ist das wirkl. eine bibl. Lehre, oder kommt diese Idee aus einer ganz anderen Ecke und es geht vielmehr genau darum, diese 3 exakt zu unterscheiden?
Heb 4:12 "Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und es dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens;" - es geht hier selbstverstdl. nicht darum zu trennen, das wäre in der Tat tödlich und käme einem Selbstmordattentat gleich ;-)...

Jesus macht zudem an verschiedenen Stellen und in Gleichnissen deutl., dass die Phileo der Agape entgegen steht und das führt zu der harten Ansage:
Luk 14:26 Wenn jemand zu mir kommt und nicht seinen Vater und die Mutter, Weib und Kinder, Brüder und Schwestern haßt, dazu aber auch seine eigene Seele, der kann nicht mein Jünger sein.

oha!
- selbstverständlich sollen wir unsere Leute lieben und versorgen, doch Jesus macht hier klar, das hat mit Jüngerschaft erstmal NULL zu tun. Wir kommen leider nicht umhin, unser (seelisches) Leben täglich "in den Tod" zu geben, wenn wir Ihm im geistlichen Leben folgen wollen...
..denn es kommt hierbei einzig auf "die Gesinnung des Herzens" an -

jdf. solange wir vermuten, wir oder andere wären im stande ohne den Weinstock Frucht zu bringen, sind wir im Irrtum -
so einfach ist das Evangelium! :-)

Gruß + Segen

Donralfo hat gesagt…

Das seelische Leben "in den Tod geben" geht gar nicht und wäre auch nicht gesund. Da muß man schnell zum Psychiater. Die Seele ist eine gute Gabe Gottes, ebenso wie Körper und Geist. Ich glaube dagegen wir sind aufgefordert Körper, Seele und Geist die richtige Priorität einzuräumen!
Wobei dem Geist die Vorherrschaft zukommt.
Nichts desto trotz bin ich der Meinung, daß die menschliche Liebe (Phileo) der nichtgläubigen Menschen dem Bösen in der Regel entgegen steht. Der Böse kennt keinerlei Art von Liebe. Er ist ein Dieb und Menschenmörder etc.
Ja klar, die Phileo kann der Liebe und Erkenntnis Gottes entgegenstehen. Du hast die Beispiele genannt. Aber das bedeutet nicht daß sie grundsätzlich schlecht wäre, sondern nur dann, wenn sie der Agape im Wege steht.