Freitag, 2. März 2012

Die Feinde Gottes

Feinde Gottes gibt es überall, nicht nur bei militanten Atheisten. Auch dort, wo man sie zuerst einmal nicht vermuten würde: In Kirchen und Gemeinden.
Wie bitte? Bei den Frommen und Gläubigen? Bei den Betern und Lobpreis-sängern?
Gestern las ich die Bibelstelle aus Jakobus 4,1ff und ein Panorama aus 35 Jahren Gemeindeerfahrung entfaltete sich vor meinen inneren Augen - ein Panorama voller Machtkämpfe, Zank und Streit! Nicht, daß es keine guten Zeiten gegeben hätte - die gab es auch reichlich. Aber immer garniert und durchwoben von diesen menschlichen Schwächen, auch in den full-power-heilig-Geist-Gemeinden.
Jak 4,1ff  Woher kommen Kriege und woher Streitigkeiten unter euch? Nicht daher: Aus euren Lüsten, die in euren Gliedern streiten?
Ihr begehrt und habt nichts; ihr tötet und neidet und könnt nichts erlangen; ihr streitet und führt Krieg. Ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet; ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr übel bittet, um es in euren Lüsten zu vergeuden.
Ihr Ehebrecher/innen, wißt ihr nicht, daß die Freundschaft der Welt Feindschaft gegen Gott ist? Wer nun ein Freund der Welt sein will, erweist sich als Feind Gottes.
Oder meint ihr, daß die Schrift umsonst rede: «Eifersüchtig sehnt er sich nach dem Geist, den er in uns wohnen ließ»?
Er gibt aber desto größere Gnade. Deshalb spricht er: «Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade.»
Seit den Tagen des Apostels Jakobus hat sich in der Gemeinde offenbar bis auf die äußeren Formen nichts geändert.  Den inneren Kampf Jesus ähnlich zu werden muß jede Generation neu ausfechten.
In manchen Gemeinden gilt es als "weltlich" in die Disko oder ins Kino zu gehen, oder Fersehen zu schauen. Bei anderen ist es "weltlich" wenn Frauen Hosen tragen und im Gottesdienst kein Kopftuch umbinden.
Fortschrittliche Gemeinden schmunzeln über solcherlei "Gottesfürchtigkeit" und haben andere Kategorien für Weltlichkeit oder sie sind so liberal, daß sie mit dem Begriff erst gar nichts mehr anzufangen wissen.
Was bedeutet es denn nun wirklich ein Freund der Welt zu sein? Jakobus gibt uns die Antwort: Wer innerhalb der Gemeinde Grabenkriege um die Macht und das Sagen führt ist ein "Freund der Welt". Wer Streit anzettelt um andere dadurch mundtot zu machen ist weltlich gesonnen.
Das Töten und Morden hat Jesus ja neu definiert:

 Mt 5,21+22 Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht töten; wer aber töten wird, der wird dem Gericht verfallen sein. Ich aber sage euch, daß jeder, der seinem Bruder zürnt, dem Gericht verfallen sein wird; wer aber zu seinem Bruder sagt: Raka! (Dummkopf) dem Hohen Rat verfallen sein wird; wer aber sagt: Du Narr! (Gottloser Irrer) der Hölle des Feuers verfallen sein wird.
Und diese Art von Geschwistermord hatte Jakobus sicherlich vor Augen, als er über die Kriege der Gemeinde schrieb. Und die Motivation dafür liefert er gleich mit: Selbstsucht, Gier, Neid und Machtstreben!
Viele sagen dazu: "Nein nein bei MIR ist das alles ganz anders, es geht mir nur darum, daß die Wahrheit in der Gemeinde zum Zuge kommt und der Wille Gottes getan wird!" Wirklich?

Jakobus beschreibt diese Gesinnung als Feindschaft gegen Gott. Ein hartes Wort. Aber mir scheint es wahr zu sein. Gott hat seine Feinde mitten unter seinem eigenen Volk - unter seinen Söhnen und Töchtern! Und diese Feinde widerstehen dem Willen Gottes und weigern sich Jesus und dessen Gesinnung nachzufolgen. Sie wissen es scheinbar besser als Gott!

In der Bibelversion der Losung lautet Vers 5: Oder meinet ihr, daß die Schrift vergeblich rede? Begehrt der Geist, der in uns wohnt, mit Neid? (Wider den Neid begehrt der Geist)

Der Geist Gottes in uns kennt keinen Neid und ist nicht machtsüchtig. Und was von ihm gewirkt ist das ist friedfertig und demütig und nicht rechthaberisch.
Die ganze Kirchengeschichte aber ist voll von Zank und Streit und Kriegen. Wegen dieser Feindschaft gegen Gott existieren auch die vielen Kirchen- und Gemeindespaltungen. Aus diesen Gründen verlassen die Leute ihre Gemeinde und gründen eine neue. (Wobei ich nicht grundsätzlich denen die Schuld gebe, die eine Gemeinde verlassen. Auch wer eine Kirche oder Gemeinschaft unbedingt ohne Änderung der Dogmata beibehalten will kann sich genauso schuldig machen)
 Und Gott höchstpersönlich widersteht diesen unverbesserlichen hochmütigen Feinden.
Aber den Demütigen gibt er Gnade.

Vielleicht ist der Teufel ja gar nicht an Allem Schuld, was wir als Gemeinde so beklagen. Könnte es nicht auch manchmal Gott sein, der unserem Streben widersteht, weil wir unser eigenes Reich bauen wollen und nicht sein Reich?

Kommentare:

Bundesbedenkenträger hat gesagt…

Danke. Guter Text. Und wieder stellt sich mir die Frage: Was tun?

Anonym hat gesagt…

Hallo Ralf, vielen Dank für deinen aussagekräftigen und somit sehr wichtigen Beitrag. Ich hoffe, dass darüber nachgedacht wird. Denn nur so kann sich in verfahrenen Strukturen etwas ändern! Nach Matthäus 7 gibt es viele falsche christliche Aktivisten, jeder muß seine persönlichen Motive im Blick behalten, um nicht selbst zu scheitern.Was bei Menschen unmöglich ist - bei Gott ist es möglich.Durch die Erlösung des Sohnes Jesus Christus ist es möglich,nämlich für denjenigen, der ehrlich die persönlichen Motive beachtet.

Matthias Sesselmann

Donralfo hat gesagt…

@Bundesbedenkenträger: Wahrscheinlich muss die Frage eher lauten - Was sein lassen? :-)
@Matthias: Wenn man ehrlich seine persönlichen Motive betrachtet, ist schon die halbe Miete eingefahren. Wenn man schon in Gemeindekämpfe verstrickt ist fällt das sicherlich schwer. Oft braucht man erst mal Abstand (vielleicht auch räumlich) zu den Problemen, um sie richtig zu bewerten. Mir sind meine Fehler und Versagen oft erst nach vielen Jahren aufgegangen...