Sonntag, 23. Dezember 2012

In der Kirche umme Ecke

Sylle und ich waren heute in unserer evangelischen Kirche umme Ecke.
Nebst Chor und Adventsliedern gab es auch eine Taufe. Der Kleine und seine Schwester waren schon etwas älter und der erste wollte nicht mit Wasser benetzt werden und hat immer wieder NEIN gesagt. Auch den Segen der Pastorin (mit Handauflegung) wollter er nicht. Die Pastorin musste sich ganz schön Mühe geben :-)

Und ich dachte bei mir: Sind wir nicht oft genauso? Gott möchte uns Gutes tun und unser Leben segnen, aber wir sind skeptisch und wollen lieber nicht, weil uns dieser Gott unheimlich ist ;-)

Ich fragte mich auch warum Jesus gesagt hat: Ihr müßt umkehren und sein wie die Kinder wenn ihr in Gottes Reich hineinwollt.
Kinder haben doch meist ihren eigenen Kopp und wehren sich erstmal gegen alle gutgemeinten Warnungen vor dem Feuer oder dem überqueren der Strasse ohne auf die Autos zu achten!
Sie misachten doch grundsätzlich alle Mahnungen welche die Eltern aussprechen um sie zu schützen und müssen mit gaaanz langem Atem mühevoll erzogen werden...

Freitag, 7. Dezember 2012

Samstag, 11. August 2012

Die Macht der Gewohnheit

Es war einmal in den achziger Jahren. Wir waren wie immer sonntags in unsere neu gegründete Gemeinde gefahren.
Ich stand mit der Gitarre auf der Bühne und leitete den Lobpreis, womöglich hatte ich auch die Predigt.
Es muß ein sehr schöner Gottesdienst gewesen sein denn ich war danach noch sehr mit großer Freude an Gott erfüllt und stand auch noch am Büchertisch der Gemeinde und verkaufte ein paar Bücher während ich mich nebenbei mit einigen Leuten unterhielt.
Mein Frau war mit unseren Kindern und der Kinderstunde beschäftigt gewesen und drückte nicht aufs Tempo bei der Abfahrt nach Hause. Wir waren völlig entspannt.
Wie üblich mussten wir unseren behinderten Mitbewohner Heiko und unseren Freund Horst, der als Spastiker auf den Rollstuhl angewiesen war von der Gemeinschaft loseisen um die ganze Bagage  in unseren VW-Bus einzuladen, denn wir aßen gewöhlich sonntags nach dem Gottesdienst bei uns einen schönen Braten und spielten danach manchmal Skat, während die Kinder im Fernsehen Biene Maja gucken durften.
Alles wie üblich und völlig entspannt - ohne jede Eile - denn wir wollten den Sonntag ja so richtig genießen.

Zu hause angekommen kümmerte ich mich um die Kocherei und wir aßen gemütlich zusammen.
Eigentlich könnten wir nach dem Essen noch ein Glas Rotwein genießen, dachte ich und entkorkte die Flasche.
Während ich die ersten Schlucke genaß kam mir der Gedanke, als ob ich irgend etwas Wichtiges vergessen hätte, an das ich mich unbedigt erinnern wollte: "Hast du da nicht etwas ganz Dringendes vergessen?" fragte ich mich und kam zuerst nicht auf die Lösung. Immer wieder ging dieser Gedanke mir im Kopf herum.

Dann hatte ich auf einmal die Erleuchtung was es gewesen war: Ich hätte nach dem Gottesdienst eigentlich sofort zur Arbeit fahren müssen, denn ich hatte Spätdienst im Krankenhaus und hätte schon seit zwei Stunden dort sein müssen. Mein Chef und Stationsleiter stand nun völlig allein auf der Station - ohne seinen Schüler der Krankenpflege, der über dem üblichen sonntäglichen Ritual völlig den Blick für die Realität verloren hatte! :-) Und meine liebe Frau offenbar auch.

Ich hetzte sofort atemlos mit dem VW-Bus zum Krankenhaus und war völlig "durch den Wind".
Zum Glück war mein Chef sehr nett und warf mir mein Versäumnis nicht vor. Auch er ging völlig entspannt mit der Situation um und machte mich keinesfalls zur Sau, obwohl er mir die Geschichte nicht wirklich abnahm - lustig war sie allemal und ich brachte ihn mit meiner zerknischten Entschuldigung zum Lachen. Und wir hatten sogar ein Gespräch über den Glauben an Gott...

Dienstag, 17. Juli 2012

Der himmlische Stromkreislauf

Damit das Licht in der Glühbirne leuchtet, der Kühlschrank kühlt oder der PC rechnen kann muß er an den elektrischen Strom angeschlossen sein.
Ohne die Kraft des Stroms läuft nichts - kein Fernseher, kein Telefon, kein Elektromotor.

Ohne die Kraft Gottes läuft in gleicher Weise nichts im Hinblick auf Gottes Werk hier auf der Erde. Jesus hat uns, seinen Nachfolgern nicht grundlos geraten ständig mit ihm verbunden zu sein und hat dafür das Bild des Weinstocks und der Reben benutzt. Wenn die Zweige des Weinstocks von ihm abgeschnitten sind, wenn sie nicht ständig von Saft und Kraft des Weinstocks und dessen Wurzel ernährt werden, können sie keine Frucht hervorbringen und verdorren.
Getrennt von mir könnt ihr nichts tun, sagte Jesus zu seinen Jüngern. Viele Christen haben diese Wahrheit für sich selbst, für die Gemeinde oder das vielfältige Werk daß Gott durch sie tun möchte erkannt und strecken sich nach dem heiligen Geist aus, den Jesus verheißen hat.
Der heilige Geist ist uns nicht nur versprochen worden - er wurde zu Pfingsten auch ein für allemal auf die Gemeinde ausgegossen.
Die Kraft des Himmels ist für alle gläubigen Nachfolger von Jesus vorhanden und frei zugänglich - als Geschenk. Es ist kostbar aber völlig kostenlos!
Wer einmal von diesem Wasser des Lebens getrunken hat möchte es nie mehr missen. Und er wird nicht satt und zufrieden davon sondern will immer mehr!

Dienstag, 10. Juli 2012

Was mir beim Bibellesen so auffällt

Manchmal habe ich den Eindruck beim Lesen der Bibel, daß mir mehr Aussagen derselben ein Rätsel sind, als daß ich sie kapiere.
Zum Beispiel las ich heute:
Lk 17,3 Habt acht auf euch selbst: Wenn dein Bruder sündigt, so weise ihn zurecht, und wenn er es bereut, so vergib ihm. Und wenn er siebenmal am Tag an dir sündigt und siebenmal zu dir umkehrt und spricht: Ich bereue es, so sollst du ihm vergeben (Revidierte Elberfelder 1985)
Ohne groß nachzudenken und nachzuschlagen bin ich der Meinung daß Jesus an den meisten Parallelstellen eine bedingungslose Vegebung von uns erwartet.
Und hier steht nun plötzlich: " wenn er sein Fehlverhalten bereut", soll ich meinem Bruder vergeben.
Ich kenne nun sehr wenige Menschen, die ihre Sünden überhaupt bereuen.
An dieser Stelle geht es offensichtlich nur um Glaubensgeschwister, die mir gegenüber sündigen, daß schränkt den Personenkreis schon mal stark ein.
Erst einmal weise ich schon sehr selten überhaupt jemanden zurecht, aber wenn ich das vielleicht mal getan habe, dann kann ich mich nicht entsinnen, daß einmal jemand sein Fehlverhalten bereut hätte. Eher erntet man ein "Beleidigt sein" und Empörung als ein Bereuen.
Bedeutet das dann nun daß ich diesen Personen nicht vergeben soll? Steht diese Stelle im Widerspruch zu anderen Stellen im neuen Testament, wo eine bedingungslose Vergebung erwartet wird?
Es ist mir ein Rätsel.



Samstag, 7. Juli 2012

Lobpreis und Anbetung

Hebr 12,1    Deshalb laßt nun auch uns, da wir eine so große Wolke von Zeugen um uns haben, jede Bürde und die <uns so> leicht umstrickende Sünde ablegen und mit Ausdauer laufen den vor uns liegenden Wettlauf,
indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen die Schande nicht achtete und das Kreuz erduldete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes.
Denn betrachtet den, der so großen Widerspruch von den Sündern gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht ermüdet und in euren Seelen ermattet!
  (Revidierte Elberfelder Bibel 1985)

Erst einmal ermutigt es mich, daß es offenbar ÜBERHAUPT eine Möglichkeit gibt seine Bürde abzulegen!
Gilt das nicht auch für meine dunkelen depressiven Gedanken die mich so oft niederdrücken? - Ich glaube JA!
Ich soll mit Ausdauer den Wettlauf meines Lebens laufen? Da bin ich ja schon bei dem bloßen Gedanken an Laufen erschöpft!
Wie soll ich das jemals schaffen können?
Aber Gottseidank kommt dann ein guter Rat wie ich das schaffen kann: Meine Bürde ablegen und mit Ausdauer im Leben laufen.

Freitag, 4. Mai 2012

Dunkle Tage

Gedanken vom "Glimmenden Docht" (Ruth) aus dem Depressionsforum.



Immer, wenn so wie jetzt, meine Tage dunkel sind, sitze ich in diesem Turm.
Alle Türen sind fest verschlossen, kein Trost, kein Licht, kein Liebesbeweis, kein Geschenk, nichts Positives erreicht mich.
Nichts dringt von außen durch die dicken Mauern,
und hier drinnen tobt der Kampf um meinen Glauben.

Alles stelle ich in Frage, jedes Bibelwort ist Mahnung, nicht Auferbauung, jedes Gebet ein Schrei nach Befreiung.
Ich bin nur mit mir beschäftigt,
und an den Mauern rings um mich her sind alle meine Fehler, Sünden, Macken, Versäumnisse und falschen Motive aufgereiht,
damit ich sie bloß nicht vergesse!

Ich hocke am Boden, zusammengekrümmt, weinend,
ohne Hoffnung, wie ein kleines, total verängstigtes Kind.

Und wenn es ganz schlimm kommt, stehe ich oben auf dem Turm
und mein Quälgeist rät mir, doch zu springen,
dann sei ich endlich erlöst, frei von dem Turm,
und bei Jesus.

Aber wie immer lügt er! Das weiss ich sicher: wenn ich auf ihn höre,
werde ich nicht dort sein, wo ich sein will!

Also halte ich durch, irgendwie,
und ganz sicher mit Jesu Hilfe, weil meine Kraft dazu nicht reicht.

Es wird wieder Tage geben, die gut sind,
die mich Gottes Güte sehen lassen,
so dass ich überfließe vor Dankbarkeit,
und die mir ab und zu einen Hüpfer in meinem Herzen schenken,
der mich daran erinnert, wie Freude sich anfühlt.

Herr, ich danke Dir, dass Du dableibst!
Amen

Sonntag, 15. April 2012

Warum lässt Gott DAS zu?

Psalm 10,1 Warum, HERR, stehst du fern, verbirgst dich in Zeiten der Drangsal?
 So oft wird diese Frage von Menschen gestellt, die weit von Gott entfernt sind. Mit großem Abstand zu gläubigen Menschen und hochmütigem Herabsehen auf ihre Dummheit brüsten sie sich ihrer Logik und ihrem aufgeklärten Verstand. Sie schütteln ihre Köpfe über uns dumme Gottgläubige - aber nicht in echtem Mitleid, sondern mit gehässiger Miene und allen bösen Wünschen warten sie auf unseren Untergang.
 "Wenn Gott all das Leid und das Böse auf der Erde zulässt, dann kann ich nicht an ihn glauben. Ein liebender Gott kann unmöglich existieren, wenn er einfach diesem Elend in der Welt nur aus der Ferne zuschaut!" 
So oder ähnlich lautet der Standardkommentar vieler Atheisten.

Freitag, 2. März 2012

Die Feinde Gottes

Feinde Gottes gibt es überall, nicht nur bei militanten Atheisten. Auch dort, wo man sie zuerst einmal nicht vermuten würde: In Kirchen und Gemeinden.
Wie bitte? Bei den Frommen und Gläubigen? Bei den Betern und Lobpreis-sängern?
Gestern las ich die Bibelstelle aus Jakobus 4,1ff und ein Panorama aus 35 Jahren Gemeindeerfahrung entfaltete sich vor meinen inneren Augen - ein Panorama voller Machtkämpfe, Zank und Streit! Nicht, daß es keine guten Zeiten gegeben hätte - die gab es auch reichlich. Aber immer garniert und durchwoben von diesen menschlichen Schwächen, auch in den full-power-heilig-Geist-Gemeinden.
Jak 4,1ff  Woher kommen Kriege und woher Streitigkeiten unter euch? Nicht daher: Aus euren Lüsten, die in euren Gliedern streiten?
Ihr begehrt und habt nichts; ihr tötet und neidet und könnt nichts erlangen; ihr streitet und führt Krieg. Ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet; ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr übel bittet, um es in euren Lüsten zu vergeuden.
Ihr Ehebrecher/innen, wißt ihr nicht, daß die Freundschaft der Welt Feindschaft gegen Gott ist? Wer nun ein Freund der Welt sein will, erweist sich als Feind Gottes.
Oder meint ihr, daß die Schrift umsonst rede: «Eifersüchtig sehnt er sich nach dem Geist, den er in uns wohnen ließ»?
Er gibt aber desto größere Gnade. Deshalb spricht er: «Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade.»
Seit den Tagen des Apostels Jakobus hat sich in der Gemeinde offenbar bis auf die äußeren Formen nichts geändert.  Den inneren Kampf Jesus ähnlich zu werden muß jede Generation neu ausfechten.
In manchen Gemeinden gilt es als "weltlich" in die Disko oder ins Kino zu gehen, oder Fersehen zu schauen. Bei anderen ist es "weltlich" wenn Frauen Hosen tragen und im Gottesdienst kein Kopftuch umbinden.
Fortschrittliche Gemeinden schmunzeln über solcherlei "Gottesfürchtigkeit" und haben andere Kategorien für Weltlichkeit oder sie sind so liberal, daß sie mit dem Begriff erst gar nichts mehr anzufangen wissen.
Was bedeutet es denn nun wirklich ein Freund der Welt zu sein? Jakobus gibt uns die Antwort: Wer innerhalb der Gemeinde Grabenkriege um die Macht und das Sagen führt ist ein "Freund der Welt". Wer Streit anzettelt um andere dadurch mundtot zu machen ist weltlich gesonnen.
Das Töten und Morden hat Jesus ja neu definiert:

 Mt 5,21+22 Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht töten; wer aber töten wird, der wird dem Gericht verfallen sein. Ich aber sage euch, daß jeder, der seinem Bruder zürnt, dem Gericht verfallen sein wird; wer aber zu seinem Bruder sagt: Raka! (Dummkopf) dem Hohen Rat verfallen sein wird; wer aber sagt: Du Narr! (Gottloser Irrer) der Hölle des Feuers verfallen sein wird.
Und diese Art von Geschwistermord hatte Jakobus sicherlich vor Augen, als er über die Kriege der Gemeinde schrieb. Und die Motivation dafür liefert er gleich mit: Selbstsucht, Gier, Neid und Machtstreben!
Viele sagen dazu: "Nein nein bei MIR ist das alles ganz anders, es geht mir nur darum, daß die Wahrheit in der Gemeinde zum Zuge kommt und der Wille Gottes getan wird!" Wirklich?

Jakobus beschreibt diese Gesinnung als Feindschaft gegen Gott. Ein hartes Wort. Aber mir scheint es wahr zu sein. Gott hat seine Feinde mitten unter seinem eigenen Volk - unter seinen Söhnen und Töchtern! Und diese Feinde widerstehen dem Willen Gottes und weigern sich Jesus und dessen Gesinnung nachzufolgen. Sie wissen es scheinbar besser als Gott!

In der Bibelversion der Losung lautet Vers 5: Oder meinet ihr, daß die Schrift vergeblich rede? Begehrt der Geist, der in uns wohnt, mit Neid? (Wider den Neid begehrt der Geist)

Der Geist Gottes in uns kennt keinen Neid und ist nicht machtsüchtig. Und was von ihm gewirkt ist das ist friedfertig und demütig und nicht rechthaberisch.
Die ganze Kirchengeschichte aber ist voll von Zank und Streit und Kriegen. Wegen dieser Feindschaft gegen Gott existieren auch die vielen Kirchen- und Gemeindespaltungen. Aus diesen Gründen verlassen die Leute ihre Gemeinde und gründen eine neue. (Wobei ich nicht grundsätzlich denen die Schuld gebe, die eine Gemeinde verlassen. Auch wer eine Kirche oder Gemeinschaft unbedingt ohne Änderung der Dogmata beibehalten will kann sich genauso schuldig machen)
 Und Gott höchstpersönlich widersteht diesen unverbesserlichen hochmütigen Feinden.
Aber den Demütigen gibt er Gnade.

Vielleicht ist der Teufel ja gar nicht an Allem Schuld, was wir als Gemeinde so beklagen. Könnte es nicht auch manchmal Gott sein, der unserem Streben widersteht, weil wir unser eigenes Reich bauen wollen und nicht sein Reich?

Donnerstag, 12. Januar 2012

Deutschland einig Mobbingland

Wulff möchte gern im Amt bleiben. Niemand hat irgendeine Handhabe ihn daraus zu entfernen. Er kann nicht abgewählt werden. Es ist kein Misstrauensvotum gegen den Bundespräsidenten möglich - auch wenn die Medien es vielleicht gern so hätten.
Aber vielleicht kann man ihn ja aus dem Amt mobben so wie seinen Vorgänger?
Wie lange machen seine Nerven in diesem verbalen Kugelhagel noch mit?
Ich wünsche Wulff zur Zeit die Nerven und das Aussitzvermögen eines Helmut Kohl, der scheinbar durch nichts zu erschüttern war - egal ob er sein Amt nun würdig oder unwürdig führt.
Als ruhender Buddha wurde Kohl ja beschimpft. Möge es auf den Parteifreund Wulff abfärben!

Möglicherweise erlebt die Hälfte der Bundesbürger diese scheinheilige und faschistoide Schmutzkampagne gegen unseren Bundespräsidenten ja irgendwie sinnstiftend: Einigkeit im Kampf gegen den personifizierten bösen Wulff erhöht scheinbar  das persönliche Selbstwertgefühl des Wutbürgers.  
Hier darf man mal zu recht schimpfen und empört sein - mit dem Segen der Bildzeitung und der vereinigten Mediengewalt.
Erstaunlich immer wieder, wie gründlich die Medien es schaffen den Volkszorn zu schüren und in eine bestimmte Richtung zu lenken, indem sie die primitivsten Gefühle ansprechen.
Mobbing des Staatsoberhauptes im Gefühl der absoluten moralischen Überlegenheit!
Deutschland ist scheinbar immer noch schnell verführbar von einer geballten Propaganda und Hetze.
Wenn Fernsehen und Presse unisono in das selbe Horn blasen bleibt das selbstständige Denken wohl schnell auf der Strecke.
Wulff in der Funktion des alttestamentarischen Sündenbocks - wenn der in die Wüste geschickt wurde erlebte das Volk eine Reinigung - und sündigte danach selbst gedankenlos weiter!

Ich dachte mal wir wären schon als Land erwachsener geworden, nachdem wir genug Erfahrung mit verschiedenen "Sündenböcken" in unserer Geschichte gemacht haben.

Samstag, 7. Januar 2012

Wer hat Angst vorm böhsen Wulff? Vielleicht die böhsen Onkelz?

Wer hat eigentlich Vorteile von der gegenwärtigen Hetzjagd auf den zugegebenermaßen wenig staatsmännischen Herrn Wulff?
Der einfache kleine Bürger vielleicht? Klar, die Meisten hatten sich eher den eloquenten und weitaus glaubwürdigeren Pastor Gauck gewünscht. Ich auch.

Aber ist das Amt des Bundespräsidenten wirklich so wichtig, daß man eine dermaßen übelriechende mediale Schlammschlacht dafür lostreten muss?
Und wer fügt dem Amt nun eigentlich Schaden zu? Herr Wulff oder die unzähligen Politiker, die sich besorgt bis abfällig über Wulffs angeblich so schwerwiegende Eskapaden äußern? Oder die Medien die genüsslich jedes vermeintlich "unsaubere" Detail aus Wulffs Vergangenheit hervorkramen und ihn bis auf die Knochen durchleuchten?
Man beachte: Wulff ist weder alkoholisiert über rote Ampeln gefahren, noch hat er das Finanzamt hintergangen und Steuern hinterzogen oder das Geld des kleinen Mannes in windigen Spekulationen verzockt! 
Er hat es gewagt bei Freunden Urlaub zu machen und sich von ihnen Geld zu leihen - welch ein Verbrechen!
Und nun sucht man mit Fleiss und Akribie weitere Anklagepunkte gegen ihn zu sammeln, dreht jedes Steinchen um, über das er mal gegangen ist; allen voran die Bildzeitung - die Gralshüterin der Ehrbarkeit und lauteren Wahrheit.

Warum soll und muss dieser eher biedere und bescheidene Bundespräsident fallen?

Erstens: Es bringt Quote. Vor allem der Bildzeitung und der Boulevard-Presse. Damit verdient man richtig Geld.
Zweitens: Die Politik interessiert sich m.E. nicht allzusehr für die Würde des Amtes eines Bundespräsidenten sondern mehr für die nächsten Wahlen. Man fragt scheinheilig mit Lammesblick und Wolfsgesinnung in Richtung Kanzlerin wie sie sich denn über die Causa Wulff äußern würde.
Ich werde den Eindruck nicht los, daß doch eigentlich Frau Merkel gemeint ist wenn man nun Hernn Wulff kräftig vors Schienbein tritt. Wulff ist doch nur ein kleiner Fisch: Man will eigentlich Merkel und der Regierung schaden und hat die nächste Bundestagswahl im Auge.
Die CDU soll durch die Affäre Wulff kräftig in der Wählergunst sinken und die eigene Position verbessert werden. Ein Schmierentheater!
 
Mir missfiel auch Merkels parteipolitisches Kalkül mit dem sie Wulff als Präsident durchgeboxt hat. Aber es ist nun mal das Privileg der Regierung einen Kandidaten nach ihrem Geschmack aufzustellen und mithilfe der Regierungsmehrheit ins Amt zu hieven. Basta!

Der Bumerang kommt nun allerdings mit einer ekelerregenden Scheinheiligkeit und Chuzpe.
Merkel hatte mit der Atomwende und ihrer Euro-Stabilitätspolitik einfach zu viele Punkte beim Wähler gesammelt und nun musste schleunigst ein gutes, nachhaltiges Thema her.
SPD, Grüne und Linke einmütig an der Seite der Bildzeitung. Was kann denn da noch schief gehen bei der nächsten Wahl?
Aber vielleicht fällt den böhsen Onkelz der Opposition der Fall des großen böhsen Wulff ja doch noch auf die eigenen Füße? Wer weiß?